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Martin Heidegger: "Der Ursprung des Kunstwerkes"



Auf einer gelb-grünen Löwenzahnwiese in einem quietschgelben Reclam-Büchlein zu schmökern, macht Laune ! Schon lange lag das schmale Heftchen

("Vom Ursprung des Kunstwerkes") ungelesen herum, nachdem ich es von einem Besuch in Worpswede mitgebracht hatte (wo ich auf den Spuren von Paula Modersohn-Becker und anderen Mitgliedern der Künstlerkolonie gewandelt bin).

Doch nun wollte ich mich vom philosophischen Titel nicht mehr länger abschrecken lassen und in einer Mußestunde und bei einer leckeren Tasse Kaffee einfach mal schauen, was sich Martin Heidegger zu diesem Thema so gedacht hat : -)


Für Michelangelo war die Idee eines Kunstwerkes ja bereits im Stein enthalten. Seine Skulpturen mussten nur noch, so soll er gesagt haben, „von überflüssigem Stein befreit“ werden, um dem Material eine Seele zu geben.

Heidegger hat der Frage nach dem Ursprung des Kunstwerkes ein ganzes Buch gewidmet. In seiner Untersuchung bewegt er sich allerdings gerne in begrifflichen Zirkelkreisen. Er meint, dass es notwendig sei, sich gedanklich in Kreisen zu bewegen, denn das „ist kein Notbehelf und kein Mangel“, sondern „Diesen Weg zu betreten ist die Stärke. . .“ (*)

Er beleuchtet in seinem Buch verschiedene Aspekte eines Kunstwerkes (beispiels-weise das sog. "Dingsein" (wobei immaterielle Kunst nicht berücksichtigt wird), das sog. "Zeugsein" ( = entstanden durch zweckdienliches Herstellen von Menschenhand), das Verhältnis von Werk und Wahrheit sowie von Wahrheit und Kunst - und natürlich auch das "Andere", das darüber hinausgeht, also sozusagen der künstlerische Akt oder die Leistung, der / die dem Ding "Allegorie und Symbol" (*) verleiht. (Im Falle der sog. Readymades wäre es demnach wohl der Akt des Sehens und der Deklaration als Kunstwerk. . .)


Seine Besprechung des Gemäldes „Schuhe mit Schnürsenkeln“ von Vincent van Gogh und des darauf abgebildeten "Schuhzeugs" hat kurioserweise bei Forschern und Philosophen heiße Diskussionen entfacht:

Hängengeblieben ist bei mir am Ende hauptsächlich folgender Schlüsselsatz aus dem Nachwort:

  • "Die vorstehenden Überlegungen gehen das Rätsel der Kunst an, das Rätsel, das die Kunst selbst ist. Der Anspruch liegt fern, das Rätsel zu lösen. Zur Aufgabe steht, das Rätsel zu sehen.“ (*)



(*) Heidegger, Martin: Der Ursprung des Kunstwerkes. Reclam-Verlag, Stuttgart 1960 und 2001. Coverfoto: I. Schurig, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

                 

 

                                                                                            

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