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Martin Schuster: "Wodurch Bilder wirken"



Wie kommt unterschiedliches Kunsterleben zustande? Ist Kunst Geschmackssache?


In seinem Buch "Wodurch Bilder wirken. Psychologie der Kunst" untersucht der Psychologieprofessor Martin Schuster das Kunsterleben und die Wurzeln des Schönheitsempfindens aus den Blickwinkeln der Wahrnehmungspsychologie, der Psychoanalyse und der vergleichenden Verhaltensforschung.

Wie erwartet, kann der Autor keine endgültige Antwort auf diese Frage geben.

Er stellt u. a. fest, dass es bei der Benennung der Empfindung angesichts von etwas Schönem nicht wirklich Worte gibt, die den ästhetischen Genuss beschreiben.

"Wir verlagern die Empfindung ins Objekt, dass wir immer dann, wenn die Empfindung 'ästhetischer Genuss' auftritt, 'schön' nennen. Dieser Sprachgebrauch gibt Anlass zu Missverständnissen." (1) Außerdem stellt Schuster heraus, dass bei der Frage "Was finden wir schön?" die experimentelle Psychologie bzw. die empirisch-statistische Ästhetik an ihre Grenzen stößt, sich Geschmack, Begriffe und die Definitionen von Schönheit und Ästhetik ändern sowie von Vergleichsreizen abhängen, und dass seltene psychische Phänomene (wie z. B. "Dieses Kunstwerk hat mein Leben verändert . . .") aufgrund von Subjektivität nicht erschöpfend erklärt werden können. "Im komplexen Bedingungsgeflecht wirken unvorhersehbare Variablen." (1) Zudem hat "zeitgenössische Kunst weitgehend nicht das Ziel, 'schön' zu sein" (1) , sondern hier wirken oftmals andere Mechanismen, Ansprüche und Kriterien.


Dennoch beleuchtet das Buch viele interessante Aspekte der Frage, wodurch Bilder wirken, und analysiert Beispiele aus Kunst, Psychoanalyse, Film und Werbung.

Für mich eine klare Bereicherung . . . : -)



(1) Schuster, Martin: Wodurch Bilder wirken. Psychologie der Kunst. Köln, 2. Auflage 2017